„Ich brauche eine Haar-zieh-Maschine…“

Als ich diesen Satz formulierte waren Svenja und ich bereits zu Bett gegangen und ich wie so oft schon seit Minuten damit beschäftigt meine Haare auf dem Kopfkissen in die richtige Position zu bringen.
Die richtige Position für lange Haare auf einem Kopfkissen kann zum Schlafen natürlich nur die sein, dass der Kopf auf der Seite liegt und die Haare zusammen genommen (nicht zusammengebunden) stramm nach hinten schräg oben gezogen liegen. Stramm gezogen liegen? Ja, genau das ist mein Problem. Die Haare müssen liegen, aber so mit dem Kopf fixiert, dass sie an der jeweiligen Haarwurzel einen leichten Zug verursachen.

Um das zu erreichen also die Haare in die Hand nehmen, nach hinten oben halten, den Kopf aufs Kissen drücken und leicht nach vorne schieben. Und das bitte jedesmal wiederholen, wenn sich die Haare lockern, also sobald der Kopf entspannt und nicht mehr ins Kissen gedrückt wird.

ÄTZEND!

Ist das nun ein Tic oder ein Zwang? Es gibt ein just-right-feeling, was also auf einen Tic hindeuten würde, anfühlen tut es sich allerdings wie ein Zwang.
What ever, um dieses Paket jeden Abend aufs neue abzuschicken braucht es keinen exakten Stempel.

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Nicht nur Tourette..

..da mein Leben nicht nur aus Tourette besteht habe ich einige Kategorien eingerichtet, die mir wichtige Themen behandeln, wie z.B. Veganismus.

Nachdem ich als Teenie bereits 5 Jahre vegetarisch, dann mehrere Jahre wieder Fleisch konsumierend und dann seit diesem Sommer wieder einige Wochen vegetarisch gelebt hatte, habe ich mich vor inzwischen etwas über einem Monat entschieden vegan zu leben. Die mildernden Auswirkungen auf meine TS Symptomatik bestärken mich ebenso wie meine ethischen Ansichten täglich aufs neue darin, dass diese Entscheidung in meinem Leben die beste seit langem war.

Nachdem ich die ersten Wochen nutzen musste um mich ersteinmal daran zu gewöhnen nichts tierisches mehr zu konsumieren, ist es mir inzwischen so vertraut, als hätte ich nie anders gelebt.

Ich habe viele tolle und wirklich lecker schmeckende Lebensmittel neu entdeckt und in meiner geliebten Svenja eine Partnerin an meiner Seite, die (obwohl selber Fleischesserin) regelmäßig mit mir vegan isst und immer die Augen nach veganen Lebensmitteln offen hält.

Wer der Meinung ist Veganismus sei gleichzusetzen mit Verzicht auf Genuss, der irrt sich gewaltig.
Noch nie habe ich so abwechslungsreich gegessen, wie in den letzten Wochen.

Ich wusste schon vorher über die Auswirkung von Lebensmitteln auf ADHS und vermutlich auch auf Tourette, aber die wirklichen Ausmaße kenne ich jetzt erst. Unglaublich, dass die meisten Menschen zu Ärzten gehen um sich Tabletten verschreiben, operieren und sonstwie behandeln zu lassen und nie hinterfragen, inwieweit ihre Nahrung Einfluss auf ihre Gesundheit und ihr Leben hat.

Wer Interesse daran hat ließt sich einfach mal das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer durch oder stöbert mal auf http://www.peta.de

So viel fürs Erste von mir zum Thema V.E.G.A.N

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Ein Konzert und seine Folgen..

Lange schon wußte ich es, viel länger als Svenja (meine Partnerin), dass sie zu ihrem Bachelor von Freunden 2 Karten für Kate Nash geschenkt bekommen würde. Auch hatte ich geahnt und gehofft, dass eine dieser Karten meine Abendstunden am 16.10.2010 steuern würde. So war es dann auch und wir waren also vorgestern Abend bei Kate Nash. Ich hatte mich gut vorbereitet, genug gegessen und getrunken, Outfit ausgewählt, bequeme Schuhe, ja sogar Ohrenstöpsel hatte ich dabei um meine überdimensionale Angst vor Hörschädigungen zu beruhigen. Es war also an alles gedacht? Fehlanzeige, einen schwerwiegenden Faktor hatte ich nicht bedacht:

stroboskopische Lichteffekte..

Für all jene, die sich jetzt fragen wo das Problem liegt, Lichtblitze, spiegelnde Reflexe etc. lösen bei mir eine sofortige explosionsartige Ticverstärkung aus. Wie das so häufig ist, traten dann auch gerade die Tics auf, die unpassender nicht hätten sein können, ruckartiges gedrehtes Strecken der Arme vom Körper weg. Nun, „von meinem Körper weg“ heißt bei einer dicht gedrängten Menschenmasse leider „zu anderen Körpern hin“.
Soll heißen ich hatte wirklich gut zu tun niemanden zu treffen, was mir bis auf eine Ausnahme glücklicherweise auch gelang.

Ärgerlicherweise habe ich dadurch von Kate Nash nicht mehr sehr viel mitbekommen, zu sehr war ich mit meinen Tics beschäftigt und mit der Bemühung sie zu unterdrücken. Das lauter Leute um mich herum standen, die in diesem Moment möglicherweise nicht nur die Darbietungen auf der Bühne spannend fanden, machte es für mich nicht besser.

Das Konzert war also nicht nur für Kate Nash anstrengend..

Die volle Tragweite allerdings kam erst gestern zum Vorschein, wo ich nämlich irgendwann so ticcig wurde, dass ich trotz Rückenmassage von Svenja nur schwer zur Ruhe kam und abends kaum einschlafen konnte.
Auch versucht seit gestern ein neuer Tic (?) sein Glück bei mir: das Schlagen mit der flachen Hand auf das linke Auge. Zweimal hintereinander und zwar so, dass das Klatschen beim zweiten Schlag heller klingt, als beim ersten.
Ich hoffe, das ist nur ein kurzes Gastspiel.

So ein Konzert kann also wirklich ungeahnte Folgen haben..

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I have tourettes, but tourettes doesnt have me..

Dem Motto dieser wundervollen Kinder folgend, möchte ich in diesem Blog über mein Leben mit Tourette berichten.

Allen die hier lesen werden wünsche ich viel Herz und Offenheit für Dinge, die ebenso erfrischend wie grausam das Leben von vielen Menschen wie mir beeinflussen, die nicht nur während des Lesens eines Blogs vom Tourette Syndrom betroffen sind.

Für diejenigen, die hier Kommentare hinterlassen werden gilt die Bitte nur das zu schreiben, was ihr selber als Behandlung auch ertragen könntet. Da Stigmatisierungen und Diskrimierungen für vom Tourette Syndrom betroffene Menschen alltäglich sind, werde ich solche Kommentare hier nicht löschen. Sie sind ebenso Teil meines Lebens wie das, was ich hier schreibe.

Nun wünsche ich euch einen guten Aufenthalt in meinem Blog.

Inselkind.Jule

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